Heute war der letzte Arbeitstag der Woche. Warum schon am Donnerstag? Morgen ist der 4. Juli, Tschuldigung, 4th of July, also known as Independence Day, groß gefeierter Feiertag in den Staaten.
Wie die letzten Tage so üblich bin ich gegen 8:30 Uhr in die Firma gefahren. Gleich zu Anfang kam der Geschäftsführer aus Deutschland zu meinem Arbeitsplatz und hat sich etwas mit mir unterhalten. Bisschen Smalltalk über meinen ersten Eindruck in den Vereinigten Staaten, deren Sitten, die Unterschiede und der Lage hier in Amerika. 18 Monate ist es her, als die Geschäftsleitung am Standort Morrisville gewechselt hat. Damals mit 0 Hosting-Kunden, heute 26. Damit hat sich die Frage für mich geklärt, warum hier in letzter Zeit so viele Leute eingestellt worden sind.
Als erstes auf der Tagesordnung stand der Einbau der zwei anderen von mir konfigurierten Server im zweiten Rechenzentrum. Also haben Charlie und ich seinen Ford Focus beladen. Er hat sein Auto am Serviceeingang geparkt und ich dachte ich spinne, als ich sein Nummernschild gesehen habe. Ähnlich wie in Deutschland kann man gegen Aufpreis ein Wunschnummernschild beantragen. Unterschied hier: Man kann das komplette Nummernschild frei wählen; so stand auf dem Nummernschild vom kleinen Ford „Hocus“. Hocus Focus – was für ein Spaß
Jedenfalls das Auto beladen und rüber ging es ins zweite Rechenzentrum. Charlie hat von sich noch 2 Server eingepackt. Er seine zwei verkabelt, ich meine zwei verkabelt. Dann wollten wir noch etwas Material aus dem Nebenraum mit ins Hauptgebäude nehmen, dummerweise war die Tür zu. Charlie gab mir die Schlüssel und ich konnte den Generalschlüssel holen. Juche, endlich mal wieder ein Auto mit manueller Gangschaltung. Das ist hier eher die Seltenheit, umso mehr hat es Spaß gemacht
Als ich im Hauptgebäude angekommen bin, sind die Kollegen gerade auf dem Weg zum Essen gewesen, und ich konnte auf Grund der Arbeit nicht mehr. Mist! Wieder zurückgefahren, Sachen aus dem Raum geholt und mit Charlie zurück ins Hauptgebäude.
Jetzt hab ich mich etwas um die Urlaubsplanung gekümmert, nachdem ich schon mein erstes Wochenende hier in der Umgebung verbracht habe. Am Tag der Unabhängigkeit gibt es wohl überall große Feuerwerke. Die Leute ziehen sich nicht, wie in Deutschland üblich, an Feiertagen zurück, sondern machen dick Halli-Galli und kaufen ein was das Zeug hält, denn die Geschäfte haben geöffnet. Kaufen, kaufen, kaufen und noch mal kaufen – angeblich haben die Amerikaner ja ein großes Problem mit ihren Kreditkarten, die Feiertage sind wohl ein Grund
Zuerst wollte ich an die Ostküste nach Wilmington fahren. Aber aus gegebenen Anlass habe ich mich für die Hauptstadt entschieden. Die Suche nach einer Unterkunft hat sich in Washington D.C. allerdings mehr als schwierig gestaltet. Zugegeben, ich war etwas spät dran. Die billigste Möglichkeit in den USA Unterschlupf zu finden sind die Hostels, also Jugendherbergen. Preise liegen hier zwischen $20 und $30 pro Person. Es waren jedoch nur noch von 6-Mann- bis 10-Mann-Zimmer frei. Darauf hatte ich nun auch keine Lust. Also weiter gesucht. Schnell hat sich das bestätigt, was viele Arbeitskollegen im Voraus gesagt haben: Washington D.C. ist schweine teuer.
Ab 3:00pm habe ich mich dann mit Nadia zusammen auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft begeben. Zwischendrin war die Idee, das Vorhaben doch auf das nächste Wochenende zu verschieben, da hier die Preise wesentlich niedriger sind. Aber dann ohne Feuerwerk? Da muss es doch eine Möglichkeit geben. Nach 1,5 Stunden haben wir dann was passendes gefunden: „The Windsor Inn“ – eine Nacht von Freitag auf Samstag für $89, dafür aber in Fußentfernung zum weißen Haus, mitten im Uni-/Studentenviertel und mit gratis Frühstück und Internetzugang. Versucht mal eine Nacht am 4. Juli zu buchen, Zimmer 106 fehlt, das ist morgen MEINS! Perfekt, die Bude war gefunden
Schnell mit VISA-Karte gebucht und Bestätigung gedruckt. Die restliche Zeit in der Firma habe ich damit verbracht, Kartenmaterial der Gegend zu drucken sowie eine passende Route zu suchen. Morgen werden es wohl 266 Meilen und 4 Stunden Fahrt werden. Feierabend!
Direkt im Apartment angekommen habe ich meinen Hintern wieder ins Auto gesetzt, um Kleinigkeit zu besorgen. Auf der Einkaufsliste standen Essen für die nächsten Tage, Kekse für die Fahrt, Stadtplan, Klopapier. Als erstes habe ich die Bank angesteuert, um das erste Mal in Amerika Geld zu holen. Der Amerikaner ist ja bekanntlich geh-faul, so gibt’s hier seltener normale Geldautomaten oder sogar Schalter, für die man den Laden betreten muss – nein, abgeguckt bei McDonalds gibt’s hier Drive-Trough’s. Sieht aus wie eine Tankstelle, aber anstatt der Tanksäulen stehen da Geldautomaten. VISA-Karten rein, Pin eingetippt und Fragen beantwortet. Was genau gefragt war weiß ich nicht, aber die Begriffe, die Nadia mir gesagt hat, waren dabei, also hab ich einfach die genommen. Irgendwann kam die passende Frage: Wie viel darf’s denn sein?
Das Geld kam raus, die Quittung wurde gedruckt und ich konnte bequem weiter fahren. Eine Ampel weiter wurde das Auto dann voll getankt. Im Gegensatz zum ersten Mal hab ich jetzt beim PrePay-Verfahren zu viel Geld gegeben, also mehr als in den Tank gepasst hat. Das Wechselgeld gab es dann aber anstandslos in Zusammenhang mit der Quittung zurück. Jetzt war es Zeit für Walmart, da es hier günstig Stadtkarten geben soll. Tatsächlich, ich hab alles besorgt bekommen.
Jetzt werde ich mir noch eine Liste erstellen mit Sachen, die ich unbedingt in Washington erledigen muss bzw. anschauen möchte, anschließend noch meinen kleinen Koffer packen und dann ab in die Heia, morgen geht’s für raus
Verfasst von martin2506
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